Faktencheck zum Artikel der Fuldaer Zeitung zum Wasserbauprogramm: Was stimmt – und was fehlt?

Der Artikel der Fuldaer Zeitung zeichnet ein erfreuliches Bild der Gersfelder Wasserversorgung: Rund 4,1 Millionen Euro wurden investiert, Gersfeld sei „sehr gut aufgestellt“, man stehe „voll im Saft“ und das Wasserbauprogramm sei abgeschlossen.

Dass die bereits umgesetzten Maßnahmen Wirkung zeigen und die Trinkwasserversorgung auch in trockenen Zeiten stabil funktioniert, ist eine gute Nachricht. Die Investitionen waren richtig und notwendig.

Wer daraus allerdings den Eindruck gewinnt, Gersfeld habe sein Wasserbauprogramm erfolgreich abgearbeitet und könne hinter dieses Großprojekt einen Haken setzen, bekommt nur einen Teil der Geschichte erzählt. Deshalb möchten wir einige Fakten ergänzen.

Das Wasserbauprogramm ist nicht abgeschlossen

Das Wasserbauprogramm wurde 2017 beschlossen. Von den darin vorgesehenen Maßnahmen sind bislang höchstens rund 50 Prozent umgesetzt.

Das ist ein entscheidender Unterschied: Es geht bei den noch anstehenden Arbeiten nicht lediglich um die normale, fortlaufende Unterhaltung der Wasserversorgung. Ein erheblicher Teil des beschlossenen Programms steht noch aus.

Bis etwa 2028 soll das Wasserbauprogramm abgeschlossen werden. Für die noch ausstehenden Maßnahmen werden derzeit weitere 5 bis 8 Millionen Euro veranschlagt.

Die Betriebskommission wartet aktuell auf einen Ablauf- und Umsetzungsplan des beauftragten Ingenieurbüros, der aufzeigen soll, wann und in welcher Reihenfolge die verbliebenen Maßnahmen umgesetzt werden.

Zwei bis drei Jahre mit kaum Fortschritt

Auch die bisherige Umsetzungsgeschwindigkeit gehört zu einer vollständigen Betrachtung.

Über einen Zeitraum von etwa zwei bis drei Jahren wurden kaum beziehungsweise keine Maßnahmen des Wasserbauprogramms umgesetzt. Und das trotz zeitweiser Vollbesetzung der Bauverwaltung mit drei Technikerstellen.

Die Verzögerungen können deshalb nicht allein mit der heutigen Personalsituation der Bauverwaltung erklärt werden.

Gerade weil nun in vergleichsweise kurzer Zeit ein großer Teil des Programms abgearbeitet werden muss, ist eine leistungsfähige Bauverwaltung besonders wichtig. Die von der Stadtverordnetenversammlung bereits vor Monaten freigegebene Technikerstelle ist jedoch weiterhin unbesetzt und soll erneut ausgeschrieben werden.

Die Folgen reichen über die Trinkwasserversorgung hinaus

Bei der Bewertung muss zwischen der Trinkwasserversorgung der Bevölkerung und der für den Brandschutz erforderlichen Löschwasserversorgung unterschieden werden.

Die Trinkwasserversorgung funktioniert – das stellen wir ausdrücklich nicht infrage.

Bei der Löschwasserversorgung bestehen jedoch weiterhin offene Punkte. Die tatsächlich verfügbaren Löschwassermengen müssen belastbar ermittelt und nachgewiesen werden. Das ist unter anderem Voraussetzung für die Zustimmung zum Bedarfs- und Entwicklungsplan der Feuerwehr.

Darüber hinaus zeigen sich ganz praktische Folgen: Bei einzelnen Bauvorhaben in Randbereichen kann die Löschwasserversorgung zum Genehmigungshindernis werden, wenn aufgrund größerer Entfernungen zu Hydranten oder Löschwasserteichen die erforderliche Versorgung nicht sichergestellt werden kann.

Es geht also ausdrücklich nicht um eine generelle Problematik im gesamten Stadtgebiet, wohl aber um ein reales Problem an einzelnen Standorten.

Was stimmt am Artikel?

Die bisher investierten 4,1 Millionen Euro waren sinnvoll. Die bereits umgesetzten Maßnahmen verbessern die Versorgungssicherheit und bewähren sich. Dass Gersfeld auch in trockenen Zeiten zuverlässig mit Trinkwasser versorgt werden kann, ist ein Erfolg.

Aber es ist ein Zwischenstand – kein abgeschlossenes Wasserbauprogramm.

Wenn von einem 2017 beschlossenen Programm nach neun Jahren noch ungefähr die Hälfte aussteht und dafür weitere 5 bis 8 Millionen Euro benötigt werden, entsteht durch die Darstellung eines „abgeschlossenen“ Programms ein falscher Eindruck.

Unser Fazit

Wir wollen die bisherigen Erfolge nicht kleinreden. Im Gegenteil: Sie zeigen, wie wichtig die Investitionen in unsere Wasserversorgung sind.

Gerade deshalb muss jetzt der zweite Teil folgen. Die noch ausstehenden Maßnahmen müssen geplant, finanziert und kontinuierlich umgesetzt werden. Nach den Verzögerungen der vergangenen Jahre darf unabhängig von der jeweiligen Personalsituation in der Bauverwaltung keine weitere Zeit verloren gehen.

4,1 Millionen Euro investiert und eine stabile Trinkwasserversorgung sind eine gute Nachricht.

Rund 50 Prozent noch offen und weitere 5 bis 8 Millionen Euro vor uns sind aber ebenfalls Teil der Wahrheit.

Mit freundlichen Grüßen

Bündnis für Gersfeld (BfG)